Zur „Gegendarstellung“ von Frau Giese auf der Internetseite von „Windhunde sind Jagdhunde“

Samstag, 6. September 2008
Zur „Gegendarstellung“ von Frau Giese auf der Internetseite von „ sind Jagdhunde“
(Der Text von Frau Giese wurde in blau dargestellt)

von Dr. Karin Dohrmann

Im Rahmen der sehr ausführlichen und sachlichen Diskussion rund um das Thema „ aus dem auf die Rennbahn – ja oder nein“ habe ich kürzlich meine persönliche Stellungnahme dazu in diesem Diskussionsforum (www.galgo-in-not.de) abgegeben. Dabei habe ich meine ganz persönliche Haltung geäußert, die ich mir durch meine Erfahrungen mit meinen Hunden, Gast- und Pflegehunden, dem Austausch mit seriösen Tierschützern und Organisationen und meinen eigenen Erfahrungen in gebildet habe. Ich habe die Gründe meiner persönlichen Entscheidung gegen einen Einsatz von aus dem Tierschutz auf der Bahn oder im Coursing mitgeteilt und diese in einem öffentlichen Forum zur Diskussion gestellt.

Wie mir zu Ohren gekommen ist, hat eine Windhundvermittlungsorganisation (Windhunde sind Jagdhunde) mein Statement zu diesem Thema auf ihrer Homepage veröffentlicht und eine „Gegendarstellung“ dazu geschrieben. In dieser sogenannten „Gegendarstellung“ (es sei dahingestellt, ob der Begriff überhaupt der richtige ist, da Gegendarstellungen eigentlich nur auf einen Bericht oder eine direkte Offenlegen gegenüber einem Verein oder einer Person erfolgen können, wobei es bei meinem Text, wie gesagt, um meine Meinung zu einem Thema ging) sind meines Erachtens einige sachliche Fehler zu finden, die ich ungern so stehen lassen möchte.
Da die hier erfolgte Diskussion bisher sehr sachlich geführt wurde, möchte ich dabei auf Passagen der „Gegendarstellung“ wie die folgende nicht näher eingehen – dazu bilde sich jeder seine eigene Meinung:

…immer wieder ein beliebtes Thema unter „Tierschützern“ … nun wieder einmal hochgekocht von einer „Spezialistin“ .
Eigentlich scheint es müssig, auf die vielen falschen Argumente überhaupt einzugehen, denn wer unsere HP sorgfältig gelesen und verstanden hat, sollte in der Lage sein, jedes dieser so genannten „Argumente“ zu widerlegen. –Zu den anderen genannten Punkten: Bitte erst informieren, dann „herumschmieren“

Zu den Fakten.

Scheinbar nahm die Autorin der „Gegendarstellung“ an, ich hätte in meiner Stellungnahme geschrieben, dass Galgos aus dem Tierschutz von kommerziellen Rennbahnen kämen!? und schreibt:

1. Die letzte (kommerzielle) Rennbahn in Spanien (La Meridiana in Barcelona) wurde 2006 geschlossen.
Keine dieser Rennbahnen diente zur Vorbereitung der Hunde (Galgos Espanoles!) für die Jagd, sondern sie dienten als Einnahmequellen für den Wettbetrieb!
Auf diesen Rennbahnen liefen ausschliesslich , die aus Irland und England importiert wurden (= !).
Es herrscht hier eine vollkommene „Sprachverwirrung“: Der Oberbegriff „Windhund“ heisst auf spanisch „Galgo“, wenn dann eine bestimmte RASSE gemeint ist, wird die entsprechende Rasse-Bezeichnung angehängt! –
Ein wäre NIE gegen einen Galgo Ingles (!) auf der Rennbahn eingesetzt worden, weil er nicht schnell genug ist!! – (wobei – wiederum Sprachverwirrung – oft auch die Galgo-/ Mischlinge als Galgo-Ingles bezeichnet werden!) –

Dass es in ganz Spanien Bahnrennen auf der Geraden (carreras en campo con liebre mecanica) gibt, scheint der Autorin leider nicht bekannt zu sein. Diese werden in der jagdfreien Zeit von Galgueros für ihre Galgos genutzt. Solche Rennen gibt es auch bei Ferias und Volksfesten, und sie dienen, neben dem Wettkampf, dem Training der Hunde, vor allem aber dem Freizeitvergnügen der Menschen. Und wenn ich über Galgos spreche, dann meine ich wirklich Galgos in der schlichten spanischen Übersetzung von „Windhund“, denn es spielt für mich keine Rolle, wieviel Prozent Greyhound oder sogar Podencoblut im Tierschutz- steckt. Für mich ist ausschlaggebend, in welchem jagdlichen Background der eingesetzt wurde und welche Jagdverhaltensweisen er mitbringt. Denn dieses Wissen ist für den neuen Halter in Deutschland wichtig.

Weiter lautet es:

2. Natürlich schicken spanische Jäger ihre Hunde nicht zum Coursing mit „falschen Hasen“ – einfach weil dort das Coursing (Trailla) auf lebende Hasen veranstaltet wird, was bei uns verboten ist! –
Und – wie schon mehrfach betont – ALLE Windhunde erkennen den Unterschied, ob sie lebende Beute, oder eine Hasenatrappe verfolgen!

Die meisten Galgos kennen den Unterschied zwischen einem lebenden Hasen und einer Hasenattrappe schon aus Spanien. Während die Galgueros die Hasenattrappe für das Bahnrennen auf der Geraden sehr wohl einsetzen, nutzen sie diese für ein Coursing nicht. Warum? In der ersten Phase eines Hasencoursing versuchen die Galgos, auf schnellstem Weg den davonlaufenden Hasen zu erreichen, also den Abstand zwischen sich und der Beute auf einer Geraden zu verringern. Daher kommt das Rennen auf der Geraden diesem Abschnitt im Jagd-Coursing nahe. Wenn aber die Galgos den Hasen erreicht haben, dann setzen sie ihre strategische Intelligenz ein. Sie verschmelzen zu einem mentalen Team, sie sprechen sich ab und versuchen, mit ihren Winkelzügen den Lauf des Hasen zu beeinflussen. Es ist unglaublich beeindruckend, welch fantastische Sprünge, Kehrtwenden und Spielzüge diese Hunde gemeinsam erarbeiten. Diese Lust an der Strategie, am Probleme lösen und an der Beeinflussung des Hasen, das würden die Spanier ihren Hunden niemals mit einem mechanischem Hasen verderben! Darum ging es in meiner Argumentation, die somit deutlich macht, dass ein jagdlich geführter Galgo im Coursing mit einer Hasenattrappe nur Frust schiebt, weil ein falscher Hase durch seine strategischen Winkelzüge nicht zu beeinflussen ist, sondern nur der mechanischen Rollenführung folgt. Wenn man sich um die adäquate Beschäftigung eines Jagdhundes Gedanken macht, sollte man sich über seine jagdlichen Eigenheiten und Leidenschaften informieren!

Noch eine kleine sprachliche Richtigstellung: Coursing heißt auf spanisch nicht Trailla, sondern die Trailla ist eine spezielle Führleine, an der die beiden Galgos gleichzeitig abgeschnallt werden können.

3. Coursing und Bahnrennen trainieren NICHT den Hetztrieb, weil dieser genetisch in Windhunden verankert ist – er kanalisiert ihn lediglich, da Hetzjagden auf lebendes Wild hierzulande nun einmal verboten sind!! –
Und – wer keinen schnellen Hund haben will, sollte sich um Gottes Willen für andere Rassen entscheiden. Der „Hundealltag“ mit einem Windhund ist nun einmal ein Anderer, als der mit anderen Hunderassen. Und unsere hiesige Umwelt macht es Windhundhaltern nicht eben leicht! –
Das berechtigt uns aber noch lange nicht, aus viele Jahrtausende alten Rassen nun „Umwelt-Kompatible-Allerwelt-Hunde“ zu machen! – Und selbst DAS wäre kein Unterfangen, dass man mit allen möglichen, dubiosen Trainingsmethoden (z.B. werden mobile Hasenzuganlagen auch für ein „Anti-Jagd-Training“ angeboten!) erreichen könnte, sondern lediglich mit einer konsequenten Auslese-Zucht auf fehlenden Jagdtrieb – DAS wäre dann das AUS für Windhunde!! –

Ich habe in meiner Argumentation dargelegt, dass Coursing und Bahnrennen den Hetztrieb des Windhundes trainieren und damit auf bewegliche Objekte konditionieren. Leider zeigt sich in der Argumentation von Frau Giese, dass ihr die Basis-Grundlagen aus dem Bereich der Kynologie und der Verhaltensforschung fehlen.

Der Begriff der Konditionierung wurde von Pawlow gebildet, der mittels eines Klingeltons, verbunden mit der Gabe von Futter, einen Reiz auslösen konnte, der angeboren war.
Ich will nun den Pawlowschen Versuchsablauf mal anhand des natürlich angeborenen Hetztriebes verdeutlichen.

1. Neutraler Reiz ? keine spezifische Reaktion
Hasenattrappe vor die Windhundnase gehalten? keine Reaktion

2. Unbedingter Reiz ? Unbedingte Reaktion
Flüchtender Hase ? Hetzlauf auf schnell bewegendes Wild

3. Lernen durch Reiz-Kopplung
neutraler Reiz + unbedingter Reiz ? unbedingte Reaktion
Hasenattrappe + schnelle Bewegung ? Hetzlauf auf schnell bewegendes Objekt

4. Bedingter Reiz ? bedingte Reaktion
Schnell bewegendes Objekt ? Auslösen des Hetzlaufs

Somit trainiert und verstärkt das Laufen auf der Bahn und im Coursing den angeborenen Hetztrieb des Windhundes. Was noch viel schlimmer ist, er konditioniert nicht nur den Hetztrieb auf Wild, sondern auf schnell bewegliche Objekte im Generellen. Damit wird der Umgang mit einem derartig trainierten Windhund im Alltagsleben unter Umständen enorm erschwert.

Weiter schreibt die Autorin:

4. Falls Veterinäre es tatsächlich bemängeln sollten, dass mit Hunden kein ausreichendes Auf-, bzw. Abwärmtraining durchgeführt wird, dann wäre es ihre Aufgabe, ein Gespräch mit dem jeweiligen Renn-, bzw. Trainingsleiter zu führen! –
Zu den anderen genannten Punkten: Bitte erst informieren, dann „herumschmieren“ – es ist ein langer Weg, vom Junghund zum „Spitzensportler“ (bitte nachlesen unter: Renntraining!) und daher taucht auch NIEMALS ein untrainierter Windhund “plötzlich” bei einer Rennveranstaltung auf!!

Obwohl Frau Giese eine Anhängerin des Windhundsports ist, scheint sie bedauerlicherweise die wichtigen Artikel der Profis des Hunderennsportwesens, dem DWZRV, nicht zu kennen. Denn dort bemängelt der Bahnveterinär Herr Michael aus Münster das völlig unzureichende Auf- und Abwärmtraining auf deutschen Rennbahnen. (http://www.s215052085.online.de/dwzrv/wissenswertes/vortrag-michael.html)
Gerade auf sogenannten Hobbyrennbahnen bewegen sich immer wieder untrainierte Hunde, mit dementsprechenden Auswirkungen. Häufig werden Windhundneulinge in Foren oder auf Spaziergängen von Anhängern des Rennwesens aufgefordert, mal zum Spaß ihren Hund ins Rennen zu schicken. Dass dazu immer noch das alte Märchen kursiert, dass er nur dort artgerecht ausgelastet werden kann, senkt verständlicherweise die Hemmschwelle. Diesem Irrtum unterliegt ja auch Frau Giese, wie sie im Folgenden darstellt:

Die „artgerechte Arbeit“ für einen Windhund ist das „Hetzen“, wo und wie das hier in Deutschland möglich ist: Siehe die diversen Artikel hierzu auf dieser HP!!! –
Kein Windhund muss, um ein zufriedenes Hundeleben führen zu können, auf die Rennbahn und/oder zum Coursing!!
Wer allerdings noch nie einen „WIRKLICH glücklichen“ Windhund gesehen hat, kann sich auf Rennbahnen und Coursings davon überzeugen!

Die Profis des Rennsportwesens haben dazu eine andere Haltung. Auf den Seiten des DWZRV ist ganz klar dargestellt, dass es sich beim Bahnrennen und Coursing nicht um eine artgerechte Haltung oder einen Ersatz für den täglichen Spaziergang handelt, sondern um einen klaren Spitzenleistungssport mit allen physischen und psychischen Anforderungen an den Hund! (http://www.s215052085.online.de/dwzrv/index.aspx )

Nun zu einem Statement, das ich äußerst bedauerlich finde:

Fährtenarbeit, Verlorensuche, Agility, Wandern, Clickern, usw. (hier muss ich nun wirklich ein Kichern unterdrücken: ein “Sichtjäger”!!!! mit der Nase auf der Fährte – wirklich köstlich!) – sind Beschäftigungsmöglichkeiten, die man mit dem einen oder anderen Windhund (und vor Allem mit fast allen anderen Hunderassen!) durchaus versuchen kann – wohl eher zur Freude des Besitzers, als des Windhundes!! –

Hier scheinen deutliche Wissenslücken über die Einsatzbereiche von Jagdhunden vorzuliegen, wie auch fehlendes Hintergrundwissen über die Arbeitsfähigkeiten von Galgos in Spanien.
Galgueros geben an, dass 80% der Galgos von sich aus, ohne Training, die Beute apportieren. Diese Freude am Apport sehen auch viele Galgohalter in Deutschland, wenn ihnen ihrer Hunde Bälle, Stöcke, Stofftiere und dergleichen anschleppen. Nun kann man diese Fähigkeit dazu nutzen, einen „Balljunkie“ heranzuziehen, der dem geworfenen Ball hinterher hetzt, oder aber mit seinem Galgo einen kontrollierten Apport und damit die Verlorensuche aufbauen. Was lernt ein Galgo mit einem solchem Training? Zum einen ruhig im Freien zu verweilen, sich auf seinen Halter zu konzentrieren, der das Apportel versteckt. Zum anderen sein Gedächtnis zu aktivieren und seine Jagdleidenschaft auf Signal des Halters einzusetzen, weil er als Sichtjäger sie im Auge behalten wird, auf ihr Kommando losgeschickt wird und dann natürlich auch seine Nase einzusetzen, wenn er das Apportel im hohen Gras suchen muss. Auch auf der Jagd in Spanien, wenn der Hase sich in ein Gestrüpp flüchtet, setzt der Galgo seine Nase ein. Ich habe nicht beobachten können, dass der arme Sichtjäger nun verdutzt stehen blieb, weil „aus dem Auge aus dem Sinn“?!
Die meisten Galgos buddeln gerne nach Mäusen. Das tun sie nicht, um das Mauseloch zu vergrößern, um dann besser nachsehen zu können, ob Herr und Frau Maus da sind. Sensible Beobachter wissen ganz genau, wenn ihr Galgo mit geschlossenen Augen seinen ganzen Kopf ins Loch versenkt, dass er dort eine Witterung aufnimmt. Bisher gibt es auch keine wissenschaftlichen Anhaltspunkte, dass die evolutionäre Entwicklung des Windhundes zum Einstellen seiner Nasenarbeit führen wird. Auch Windhunde riechen ein Vielfaches besser als der Mensch und nutzen diesen Instinkt in ihrer Alltagswelt.

Die Vorzüge an den von Frau Giese belächelten Aktivitäten sind, dass sie aus dem jagdlichen Arbeitsfeld stammen, dass sie den Ansprüchen, dem Arbeitswillen und den geistigen Erfordernissen eines Jagdhundes gerecht werden. Diese Betätigungen fördern die Bindung zwischen Galgo und seinem neuem Halter enorm, weil das gemeinsame Leben nun in Absprache gestaltet wird. Und das ermöglicht auch ein wesentlich freieres Leben für den Hund, der in Absprache natürlich auch zu einem Sprint starten darf.

Nun zum letzten Punkt, auf den ich eingehen möchte:

Im Bewusstsein, leider nicht alle retten zu können, werden wir nicht aufhören, darauf zu achten, „unsere“ spanischen Windhunde an „Windhundliebhaber- und kenner“, an aufgeschlossene und „lernwillige“ Menschen zu vermitteln!
PUNKT!

Ich spreche Frau Giese ihren guten Willen und Tierschutzgedanken nicht ab. Daher möchte ich sie ausdrücklich dazu ermuntern, ihr Wissen über das Leben von jagdlich geführten Galgos zu erweitern – am besten durch persönliche Recherchen und Erfahrungen vor Ort -, um so Galgohalter besser informieren zu können und ihrem tierschützerischen Anliegen „Windhunde sind Jagdhunde“ eher gerecht zu werden.

Ich habe meine persönliche Stellungnahme im Forum Galgo-in-Not abgegeben, weil ich wichtig finde, dass in einer öffentlichen Diskussion Windhundhaltern so viele Aspekte wie möglich zur Verfügung gestellt werden, um sich ihre eigene Meinung bilden zu können. Und da dies in diesem Forum mit respektvollem Umgang von allen Seiten durchgeführt wurde, habe auch ich meine persönlichen Erfahrungen und Entscheidungen begründet.

Hiermit stelle ich dieses wichtige Thema und meine persönliche Meinung wiederum zur öffentlichen und respektvollen Diskussion.

Zu guter Letzt ein altes Sprichwort aus Spanien:

“A galgo viejo, echadle liebre, no conejo”
Gebt einem alten Galgo Hasen, keine Kaninchen.
(Dieses Sprichwort weist darauf hin, dass bei schwierigen Fragen, egal welcher Art, erfahrene Menschen zu Rate gezogen werden sollen, niemals Unerfahrene!)

Dr. Karin Dohrmann

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