Juan, der Tierarzt erzählt:

(Inhalte von www.greyhound-in-need.com werden nun übernommen).

Juan, der Tierarzt erzählt:
Montag, 24. Dezember 2007
Schon etwas älter, doch immer noch aktuell:

(früher Tötungsstation Villamartin) www.spaansehonden.com/ hat Folgendes geschrieben:

Juan
Juan, der Tierarzt, erzählt:
Auf Grund dessen, dass wir in einer Region von leben, die traditionell für die Jagd bekannt ist, arbeiten wir hier unter sehr speziellen Bedingungen. Das gilt sowohl für die Hasenjagd mit , als auch die Kaninchenjagd mit .

Diese beiden Hunderassen werden schlechthin als Arbeitswerkzeuge betrachtet. Besitzer dieser sind Menschen, die die Jagd lieben, nicht aber die . (Obwohl auch hier Ausnahmen existieren.)

Im Falle des ist sein Arbeitsleben länger, wenn er ein guter Jagdhund ist. Dann hat er die Chance bei seinem Besitzer bis zur nächsten Saison zu bleiben. Das gilt nicht für den unglücklichen . Dieser dient nur zwei Saisons als Jagdhund. Wenn er gelernt hat, dass er durch Abkürzen des Weges, den Hasen fangen kann, endet sein Arbeitsleben und selbstverständlich auch sein physisches Leben. Bis vor kurzem brachten die Besitzer der Hunde, die nicht mehr zweckdienlich waren, ihre Hunde auf brutalste Weise um, wie wir alle wissen. In unserer Gegend, Sierra de Cádiz, hat sich die Situation leicht verbessert, dank des Tierschutzgesetzes 11/2003 vom 24. November. Dieses regelt u.a.: die Identifikation und Registrierung von Haustieren. Der bleibt durch einen eingesetzten Microchip an den Besitzer gebunden, der für das Wohlergehen seines Tieres verantwortlich bleibt.

Es ist öffentlich bekannt, zumindest in unserer Gegend, dass dieses Gesetz für die Identifizierung angewandt wird. Es werden stets mehr gechipte Hunde, die von ihren Besitzern in unserer Auffangstation abgegeben werden. Dieses Gesetz regelt jedoch nicht das undifferenzierte Züchten der Hunde. Ein einziger Besitzer kann verschiedene Hündinnen haben und sie jedes Jahr decken lassen, um 20 Welpen zu bekommen, von denen vielleicht zwei geeignet für die Hasenjagd sind (Galgos).

Was passiert mit den restlichen 18 Galgos? Es ist leicht zu erahnen.

Unser Auffanglager Acogida San Antonio entstand im Jahr 2001, dank einer Absprache zwischen zwei Provinzverwaltungen, der Diputación Provincial de Cádiz und der Mancomunidad de Municipios de la Sierra de Cádiz (noch vor Inkrafttreten des o.g. Gesetzes), um die bestehenden Probleme in unserer Region bzgl. der ausgesetzten Hunde zu lösen (eine Großzahl der Verkehrsunfälle mit tödlichen Folgen für den Fahrer wurde von diesen Hunden verursacht).

Anfänglich hatten wir vor, maximal 100 Hunde aufzufangen. Doch nach zwei Monaten unseres Bestehens mussten wir eine unangenehme Überraschung erleben: Die Anzahl hatte sich bereits verdreifacht! Nun mussten wir nach einer Lösung suchen, die Anzahl der Zwinger zu erhöhen. Es begann die Qual für mich und meine Kollegen, denn wir mussten alle überzähligen Hunde töten, incl. der gesunden Hunde.

Die Ausichten waren niederschmetternd. Und das war die gewöhnliche Praxis in allen Städten, die über diese Art von Zentren verfügen, in denen jährlich tausende von Hunden getötet werden.

Sehr zu meinem Leidwesen musste ich als Tierarzt, der eigentlich Tiere behandelt, nunmehr Tiere töten … Bis zu dem Zeitpunkt, als ein Kollege namens Juan Jesús zu uns ins Auffanglager kam. Die Hunde liebten ihn sehr, und er hatte Ahnung von Informatik und all den Möglichkeiten, die das Internet bietet. So begannen wir, auf diesem Weg Adoptionsfamilien in ganz Europa für einen Großteil der Hunde zu suchen.

Bei diesen Bemühungen hatten wir die Rückendeckung der Behörden, die die Auffangstation betrieben. Dank deren Unterstützung konnten wir mehr Tiere pro Zwinger halten. Es entstanden erhebliche Extrakosten an Futter und Impfungen für jene Hunde, die in andere Länder Europas vermittelt wurden sowie auch Zusatzkosten für Diätfutter und den Transport adoptierter Hunde in andere Provinzen. Hierbei wurde uns ein Service Mobil zur Verfügung gestellt.

All dies wäre undenkbar, wenn der Betreiber dieser Station ein privates Unternehmen wäre (wie es in anderen Städten normal ist). Denn in diesen Unternehmen zählt der Gewinn am Ende des Jahres, d.h., weniger Ausgaben, mehr Gewinn (weniger beherbergte Hunde, weniger Kosten).

Auch konnten wir auf zwei weitere Mitarbeiter, Pedro Antonio und Manolo, zählen, die uns in allen Belangen unterstützten, obwohl es für sie Extra-Arbeit bedeutete.
So war es uns möglich, im vergangenen Jahr für 475 der 1.400 Hunde unserer Auffangstation Adoptivfamilien zu finden. Im Jahr 2004 kamen wir auf fast 500 adoptierte Hunde.

Dank der fantastischen Hilfe europäischer Tierschützer wie Pro-Animale Deutschland, mit der Vorsitzenden Joanna sowie Kimba, einer Tierschützerin in Cádiz, die den Vorsitz für Nieves Orellana und Vientos de Levante hat und Rita Terdana aus Tarifa de Chiclana de la Frontera (Cádiz) haben wir niemals Galgos töten müssen (nur sehr kranke Tiere und Tiere mit schweren Anpassungsproblemen). Glücklicherweise haben wir viele Adoptionsfamilien finden können, aufgrund der wachsenden Sensibilisierung in vielen europäischen Ländern.

Da wir eine öffentliche Institution sind, ist unser Problem, dass wir niemals “basta” sagen können; wir müssen alle Tiere aufnehmen, die zu uns kommen. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass viele der Tiere krank oder als Endstation zu uns kommen, ohne ihnen eine effektive Quarantäne anbieten zu können. Es ist vor allem hervorzuheben, dass wir kein sogenanntes traditionelles Tierheim sind, da wir keinerlei externe finanzielle Hilfe erhalten und auch keine fixe Anzahl an Hunden über das Jahr haben. Das ist die nackte Wahrheit ohne Beschönigungen. Jeder kann bei uns vorbeischauen, um sich selber davon zu überzeugen- unsere Tore sind immer geöffnet! Vielleicht gibt es Menschen, die nicht verstehen, dass man Tiere aussetzt, aber es ist die bittere Realität.

Dank eines Abkommens zwischen “Amigo” und der Transportfirma M.R.W. können wir Hunde in alle spanischen Provinzen bringen und müssen nur die Miete des Zwingers (EUR 18,00) zahlen. Wie ich schon oben erwähnte hatte, verfügen wir dank der Behörden, die das Auffanglager betreiben und unterhalten, über alles notwendige für eine würdige Beherbergung der Tiere bis zur endgültigen Vermittlung an eine Adoptionsfamilie: von der Unterbringung über das Futter sowie eine medizinische Grundversorgung bis hin zum Einfangen der vagabundierenden Hunde in der gesamten Region – das ist unsere tatsächliche Aufgabe. Wir bitten nur um Unterstützung für die Kosten, die für eine Vermittlung und einen Transport zu einer Adoptionsstelle außerhalb Spaniens anfallen.

Um in andere europäische Länder zu reisen, müssen wir einige Voraussetzungen erfüllen:

Die Hunde müssen über einen europäischen Pass und eine Tollwutimpfung
mindestens einen Monat vor Ausreise verfügen
Die Hunde müssen frei sein von zwei sehr oft in Süd-Spanien auftretenden Erkrankungen: Filaria und Leischmaniose. Dafür muss den Hunden Blut abgenommen werden, um dieses in einem autorisierten Labor analysieren zu lassen. Die Hunde müssen entwurmt und entfloht sein.
Die Hunde müssen durch ein Mittel gegen Vireninfektionen geimpft sein
(teilweise 2 Impfungen innerhalb von 14 Tagen).
Die Hunde müssen einen Microchip erhalten.
Es ist wohl nachvollziehbar, dass wir von den uns unterhaltenden Behörden nicht erwarten können, dass sie all diese Kosten zahlen. Es entsteht ein erheblicher Kostenfaktor für die Vorbereitung der Hunde bis zum Zeitpunkt ihrer Reise zur entsprechenden Adoptionsfamilie. Ein weiteres Problem ist, dass wir Hunde aus der gesamten Region einfangen, die sich teilweise in einem äußerst schlechten Gesundheitszustand befinden. Dadurch haben wir hohe Kosten für Medikamente, denn bisweilen sind zwischen 15 – 20 Hunde bei uns in Behandlung.

Daher versuchen wir Antibiotika, schmerzstillende Mittel und Impfungen auf dem Spendenweg zu bekommen.

Ich schließe meinen Bericht mit bestem Dank für Euren Besuch und das Interesse an unserem Tun und Wirken in diesem Teil Europas und mit der Wunsch, uns bei der Suche nach einem schönen Zuhause für unsere Hunde zu helfen und dem Gedenken an diejenigen Hunde, die es nicht bis zu ihren Familien geschafft haben.

Tags: , , , , , , , , ,

Du kannst alle Antworten zu diesem Eintrag via RSS 2.0 Feed erfolgen. Du kannst einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback von deiner eigenen Seite.

Hinterlasse eine Antwort

XHTML: Diese Schlagwörter kannst du nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>