Erziehung von Windhunden

 

Meine eigenen Erfahrungen mit verschiedenen Windhundrassen, die vielleicht manchem unsicheren Windhundanfänger nützlich sein könnten

Ich hoffe Sie nehmen das Bild nicht ernst und können es, wie ich, als Spaß verstehen

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Hm, das gebräuchliche Wort “Erziehung” passt überhaupt nicht.

Meine tun einfach, was ich von ihnen möchte. Wie kommt das?

Es liegt im Wesen der Windhunde begründet. Wer meint er müsse Windhunden “Kommandos” beibringen, sie im üblichen Sinne der Hundeerziehung erziehen, kann nur zum Ergebnis kommen das Windhunde schwer oder gar nicht erziehbar sind. Dazu sage ich: Der Jenige hat den Windhund völlig verkannt, versteht sein Wesen nicht, kann somit auch nicht mit ihm artgerecht umgehen.

Windhunden kann man in der Regel nichts von außen “aufdrücken”, sie muss man erreichen durch verstehen, lieben und allem voran Vertrauen. Dann erst erlebt man das “Wunder”, das ein Windhund freiwillig tut was Sie von ihm möchten. Natürlich sofern es nicht völlig gegen seine Natur ist.

Das heißt, es funktioniert nicht einen Windhund zu sich zu holen und los geht´s mit der Erziehung. Darauf lässt sich dieses unabhängige, stolze Tier gewiss nicht ein. Es erwartet mehr von Ihnen, eine ganz andere Qualität!

Sie sollten sich noch bevor Sie sich ihren Windhund ins Haus holen, mit seiner Rasse befassen. Sich gut informieren über sein Wesen, seine Bedürfnisse, seine Vergangenheit im Ursprungsland, wie diese Rasse jetzt dort lebt usw. Kurzbeschreibungen reichen dafür nicht, sie sollten sich da schon mehr Mühe geben. Bücher sind sehr gut geeignet, weil da in der Regel wirklich in die Tiefe gegangen wird und sie diese Rasse verstehen können.

Informieren Sie sich auch zum Vergleich über andere Windhundrassen wenn Ihr Herz für Windhunde schlägt, um auch wirklich IHRE Rasse zu finden. Windhunde sind, je nach Ursprungsland, nicht nur im Aussehen, auch im Wesen sehr verschieden. Der größte Fehler wäre sich für einen Windhund nach seiner äußeren Erscheinung zu entscheiden! Das Wesen ist es, das entscheidet ob sie super glücklich mit ihm leben oder verzweifeln.

Wenn Sie ihren Windhund wirklich verstehen und lieben, und noch wichtiger, er Ihnen vertraut, auch Ihr Wesen mag und Sie liebt, dann erst können Sie ihn sogar sehr leicht erziehen, denn dann tut er fast von sich aus was Sie möchten.

Wenn Sie z.B. mit einem aus leben möchten, sollten Sie noch etwas beachten. aus können im Wesen und Verhalten sehr unterschiedlich sein, sogar ziemlich entfernt von der Wesensbeschreibung des (reinrassig). Der Galgo wird in Spanien in der Regel nicht reinrassig gezüchtet, bei ihm zählen lediglich die Gebrauchseigenschaften. Das bedeutet es wird vom bis zu anderen Jagdhundrassen, gerne auch der , hineingekreuzt. Dies zeigt sich auch im Verhalten, Spuren dessen was eingekreuzt wurde, kann man oft auch äußerlich erkennen. Ich betone dies NICHT um eine Wertigkeit abzugeben, um Himmels Willen! Für mich gibt es keinen solchen Wertunterschied bei Tieren. Ich möchte Ihnen damit nur sagen, beim Galgo können Sie nicht unbedingt davon ausgehen, das er so ist, wie sie sich schön fleißig vorher über den belesen haben. Versuchen sie, wenn Sie Interesse an einem Galgo haben den eine Tierschutzorganisation zeigt, so viele Infos wie möglich über ihn zu bekommen. Von Pflegestellen bekommen Sie die besten Informationen, da sich der in der Regel dort so zeigt wie er ist und sich nicht wie in einem Tierheim oder einer Tötungsstation verschließt.

Vertrauen

Wenn

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Das aller Wichtigste für mich im Umgang mit Windhunden:

Auf Zuruf zu mir kommen und der Hetztrieb

Das lernen sie sehr schnell, eigentlich schon am ersten Tag, ausgenommen extreme Angsthunde, die je nach Trauma länger brauchen. Zu mir kommen, wenn ich sie rufe, bedeutet beim Rudel bleiben können, besondere Zuwendung, immer nur Gutes. Wenn sie abgeleint sind kommen sie ebenso schnell zu mir, wenn ich sie rufe. Wer es anfangs nicht tat, musste die Erfahrung machen das ich nach einem einzigen erfolglosen Rufen entgegen gesetzt schnell weg laufe und diesem Hund “keine” Beachtung mehr zeige bis er bei mir ist. Dann wird er wieder freundlich beachtet, bekommt Zuwendung, was für ihn das schönste Lob ist. Leckerchen als Lockmittel oder Belohnung habe ich noch niemals eingesetzt, ich baue ausschließlich auf eine sehr gute Bindung und den Rudelzusammenhalt. Das Rudel zu “verlieren” riskieren sie nicht. Beim Rudel bleiben bedeutet Sicherheit und Schutz für die , ist ein natürlicher Instinkt, das mache ich mir zu Nutze.

Falls sie einmal weiter entfernt sein sollten habe ich zusätzlich noch ein Zeichen eingeübt. Mein Windhundrudel kommt auch sofort zu mir wenn ich den Arm hebe und dabei nur zwei/drei Schritte ihnen entgegengesetzt weg gehe. Das entstand durch meine extremen Angsthunde. Sie waren die ersten Monate vor lauter Angst und Panik vor Menschen nicht in der Lage auf Zuruf (im Garten) zu mir zu kommen. Ich suchte einen anderen Weg sie dennoch führen und leiten zu können und fand ihn. Wenn das Rudel am Zaun zur Straße Rabatz machte, weil vielleicht Nachbars Hund gerade vorbei spazierte, ging ich in Sichtnähe zu meinen Hunden, rief sie allgemein – keinen einzeln – drehte mich ab, hob den Arm und lief schnell nach hinten zum Garten. Da meine sicheren Hunde meinem Ruf folgen und die Angsthunde beim Rudel bleiben wollten, liefen sie mit. So kam es SEHR schnell das sie auf dieses Zeichen reagierten, nach maximal drei Übungen, sowohl meine sicheren Hunde, als auch die Angsthunde. Zu rufen brauche ich dabei oft gar nicht mehr.

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Tja und nun kommt´s, der Hetztrieb. Klar würden sie einem geeigneten “Jagdobjekt” hinter her hetzten, wenn sie dazu kämen. Kommen sie aber nicht. Ich habe diese super schnellen Schlitzohren in meinem ersten Windhundrudel kennen gelernt und beobachtet, das nutzte ich um mit dem Hetztrieb meines jetzigen Powerrudels gut umgehen zu können. Der Hetztrieb ist Windhunden übrigens angeboren, den muss man ihnen nicht beibringen. Er ist verschieden stark ausgeprägt, von gar keinem, was auch vorkommen soll, bis zum sehr stark ausgeprägten. Abtrainieren? (habe ich schon gelesen) Da krieg ich´s Grausen. Den Lebenszweck, der in den Genen verankert ist abtrainieren… das ist in meinen Augen das Wesen amputieren: Es ist schon ziemlich pervers auf so einen Gedanken zu kommen, falls es überhaupt möglich ist. Windhunde sind Spezialisten, sind Jagdhunde! Darüber lasse ich mich nicht weiter aus. Ich für mich habe beschlossen den Windhund ganz zu lieben und einen Weg zu finden die weniger angenehme Seite, den Hetztrieb, zu steuern.

Da ich keine optimal aufgewachsenen Windhunde habe, um es mal ganz milde auszudrücken, sind meine jetzigen Windhunde nicht fürs Austoben ihres Hetztriebes auf einer (Hobby)-Rennbahn geeignet. Sie toben ihre Power spielerisch aus, beim gegenseitigen Jagen, Fangen, und voller Freude um die Wette rennen. Näheres unter “Hobby-Rennbahn”

Das Ausbüchsen und Hetzen habe ich so im Griff: Ich habe Plätze fernab von möglichen Gefahren, nur da dürfen sie rennen und ausgelassen toben. Das wissen sie ganz genau, weil es keine Ausnahme gibt. Dieser Platz ist weit entfernt, bis wir ihn erreicht haben sind sie gut warm gelaufen, die Muskeln geschmeidig (um Muskelrisse zu vermeiden, Greyhoundsperre usw.). Um so näher sie an diesen “Platz” kommen, desto freudiger werden sie. Bevor ich sie ableine schaue ich in die Runde ob auch kein anderes Tier oder etwas für sie Reizvolles da ist, wenn die “Luft rein ist”, geht es los. Leinen ab und sie powern mit einer Freude und Begeisterung bis die Zunge lang heraus hängt. Sobald sie nachlassen kommen sie schon automatisch zu mir, dann werden sie angeleint und wir laufen weiter. Würde ich sie nicht gleich anleinen, würden sie nach dem ersten Auspowern anfangen sie Nasen zu heben, den Horizont absuchen und wenn sie etwas entdecken das sich bewegt wären sie schneller weg wie ich “Halt” sagen könnte! Also sofort nach dem ersten Auspowern an die Leinen. Ich laufe dann aber sofort zügig weiter damit sich ihre enorm gestiegerten Körperfunktionen und die Körpertemperatur langsam wieder normalisieren können. Sind sie dann wieder auf “normaler Betriebstemperatur”, bekommen sie frisches Wasser. Bei wärmerem Wetter nehme ich Wasser und einen geeigneten Trinkbehälter mit. Wirklich zuverlässig abrufbare Hunde, in jeder Situation, dürfen dann auch unangeleint weiter laufen. Je nach Außentemperatur und Verfassung der Hunde geht´s dann entweder weiter zu einer anderen guten Stelle wo sie nochmal heiße Runden drehen und toben oder wir laufen “nur” spazieren, joggen usw.

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An manchen Tagen rennen und toben sie mehrmals, an manchen Tagen gar nicht oder nur wenig. Sie können vollkommen frei bestimmen wann sie wieviel rennen. Das der Untergrund kein gepflegter englischer Rasen ist sind sie gewohnt, schon von ihrer Herkunft her, damit hatten sie noch nie ein Problem, sie hatten noch nie Verletzungen. Beim Cursing, dem natürlich nachempfundenen Hasenhetzen (Atrappe / Lappen…) im Gelände, gibt es auch keinen “sterilen” Untergrund. Ein Windhund, der aber nur auf gepflegtem Rasen oder einer perfekten Sandbahn rennen durfte, könnte da wohl Schwierigkeiten haben.

Ich stehe auf “unseren Renn-Spielplätzen” nicht nur herum oder quatsche die ganze Zeit mit Jemandem, ich konzentriere mich voll und ganz auf meine Hunde. Ich bekomme alles mit, auch wenn sie während dem Herumrennen etwas entdecken sollten. In der Regel bleiben sie kurz stehen, heben den Kopf, manche stellen etwas die Ohren. Wenn ich das beobachte, rufe ich sie SOFORT zu mir, dann kann ich sie nämlich noch stoppen, aber nur bevor sie gestartet sind. Auch wenn ich nicht im gleichen Tempo mit renne (), bin ich aktiv und steuere das Rudel weitgehendst, bin irgendwie immer mit ihnen in Verbindung, verbal oder spiele mit. Das KANN so sussehen: Kommt ein Hund auf mich zugerast, springe ich mit ausgebreiteten Armen nach rechts und links. Es macht ihnen einen riesigen Spaß anzutäuschen in welche Richtug sie laufen wollen und lenken dann doch in die andere. Lachend kommen sie dann zu mir und holen sich ihr Streicheln und Lob ab. So bieten sich viele Möglichkeiten mit den Hunden in Verbingung zu bleiben, sie somit jederzeit unter Kontrolle zu haben. Ich halte mich allerdings zurück wenn ich sehe das sie miteinander Fangen spielen, ich greife dann nur verbal ein wenn sie doch einmal etwas zu weit von mir weg laufen würden. Sie neigen aber nicht dazu weil es für sie wichtig ist, das das Rudel zusammen und in der Nähe vom Rudelboss, mir, bleibt. Ich bin ihr Schutz, ihre Sicherheit, das wissen sie ganz genau. Ich bin also mit dem Rudel aktiv, überlasse sie nicht sich selbst. Ich kann sie in der Meute rennend in meine Richtung lenken oder auch wieder weg schicken. Ich kann das Rennen stoppen, kann sie einzeln zu mir rufen – was ich natürlich nicht tue wenn ich keinen echten Grund dazu habe. Sie halten auch beim Rennen sehr viel Blickkontakt zu mir, da sie es nicht anders kennen, das ich das Rudel führe und sich das freie Toben/Rennen um mich dreht. Ich spüre sehr deutlich wenn dieses “Band” lockerer wird, wie ich bereits schrieb, dann wird es höchste Eisenbahn sie zu mir zu rufen. Ich könnte sie sogar zu mir rufen und mit ihnen unangeleint im Rudel weiter spazieren gehen, sie würden bei mir bleiben und mitlaufen. Dies tue ich aber nicht, weil ich vermeiden möchte das nun doch noch plötzlich etwas für sie Interessantes auftauchen könnte. Ich bin auch viel zu dankbar das es mir gelingt das Rudel miteinander frei toben und auspowern lassen zu können, das möchte ich nicht kaputt machen. Deswegen führe ich das immer nach diesem beschriebenen Muster ab, so wissen sie ganz genau wie es läuft, ausbüchsen gehört für sie bei diesem “Ritual” nicht dazu. Sollte an dieser Stelle doch einmal etwas auftauchen, was sie zum Hetzen reizen könnte, würde ich diesen Platz lange Zeit meiden, mindestens drei Monate lang. So lange sind sie an Stellen, wo sie einmal etwas hoch Interessantes entdeckten angespannt und haben nur in Kopf es wieder zu entdecken. Das versuche ich zu vrmeiden.

Mit diesen “Ritual” habe ich das “Problem” Hetztrieb prima im Griff und die Wahrscheinlichkeit das sie doch mal ausbüchsen ist sehr minimiert. Bis jetzt hat es jedenfalls gut geklappt. Diese Abläufe kann ich aber nicht immer anwenden, z.B. nicht in der Dämmerung, da leine ich gar keinen Windhund ab, auch nicht die wirklich Gehorsamen, die sogar unterwegs an sicheren Wegen frei laufen können. Mit Beginn der Dämmerung fährt beim Windhund die Hetzbereitschaft hoch, das spürt man auch wenn man angeleint mit ihnen unterwegs ist.

Ich versuche das meine Windhunde so artgerecht wie ich es ihnen nur bieten kann, leben können. Sie sollen ihre Bedürfnisse so weit es machbar ist leben können, aber für sie und andere Tiere sicher. Für manches, wie den Hetztrieb muss man halt Ersatz schaffen der sie befriedigt, aber damit können sie gut und zufrieden leben. Zu artgerechtem Leben von Windhunden gehört für mich bei der “Erziehung” nicht nur ihr spezielles Wesen zu berücksichtigen, auch ihre Würde zu achten.

Ich möchte sie auf keinen Fall per Erziehung für mich bequemer “zurecht stutzen”, ich liebe sie ja für ihr einzigartiges und faszinierendes Wesen. Ich lege lediglich Wert darauf, das sie in unserer durchzivilisierten Welt, wo kein Platz für ein natürliches Windhundleben ist, so artgerecht wie möglich leben können.

Ihr schöner Stolz, ihre Unabhängigkeit, ihr edles feines Wesen kann sich nur entfalten wenn sie sich wohl fühlen. Deswegen “verbiege” ich sie nicht bei der Erziehung und verlange ihnen nichts ab, was ihren Stolz verletzt, ihre Würde schmälert und womöglich eh unsinnig ist. Im Gegenteil sogar, so körperlich und psychisch kaputt wie sie bei mir ankamen, war es mein Ziel sie zu würdevollen, stolzen Windhunden zu machen.

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“Bindung”

Sie beschreibt, so würde ich sagen, das Verhältnis und die Verständigung zwischen Mensch und Hund.

Da es auf dieser Seite um Erziehung geht komme ich um Bindung nicht drum herum. Im Rahmen der Erziehung spielt die sogenannte “Bindung” zwischen Hund und Mensch eine sehr wichtige Rolle. Ich kann und möchte mich nicht allgemein über Bindung äußern, dafür gibt es kompetentere Menschen. Ich möchte auch hier nur von meiner Erfahrung mit Windhunden sprechen.

Eigentlich ist “Bindung” für mich persönlich gar kein eigenes Thema, sie spielt sich permanent bei Allem ab und beginnt schon in der ersten Stunde, in der Hund bei mir ankommt. Ich lese aber immer wieder das es wohl doch ein Thema ist, lese Diskussionen darüber, deswegen gehe ich hier kurz darauf ein.

Bindung baut sich meiner Meinung nach sehr schnell und automatisch auf. Beginnend damit ob mir der Hund wirklich lieb und sympathisch ist, ob er mich mag. Er wird jede Handlung von mir, von der ersten Minute an beobachten. Dabei entscheidet sich schon wie schnell eine Bindung entsteht, ob überhaupt. Verstellen kann man sich dabei nicht, Hunde spüren ganz sicher wie es in uns Menschen aussieht, was wir fühlen. Sind wir offen für ihn, verstehen sein Wesen, haben wir es leicht ihn zu erreichen, das er sich uns gegenüber öffnet und Vertrauen aufbauen kann. Finden wir, gerade beim Windhund, seine Erscheinung traumhaft, sind richtig verliebt in seine Schönheit oder haben in erster Linie nur MItleid, reicht das nicht, der Hund öffnet sich dem Menschen gegenüber nicht, Schwierigkeiten und “Ungehorsam” sind Tür und Tor geöffnet. Sein Wesen muss man verstehen, das ist der Schlüssel zu Bindung, zu Vertrauen, zu einem wunderschönen Zusammenleben mit ihm.

Um eine gute Bindung aufbauen zu können gehört also nicht nur ihr eigenes Fühlen und Vermögen, auch das des Hundes dazu. Hunde haben Menschen gegenüber auch Sympathien und Antipathien. Man sollte sich deswegen auch für den richtigen Hund entscheiden. Sie müssen sich sicher sein mit welchem Wesen sie richtig gut umgehen können, welches sie lieben. Unter anderem z.B. auch ob es eher ein unterwürfiger oder dominanterer Hund sein soll. Diese Eigenschaften erwähne ich bewusst, weil dem manchmal zu wenig Beachtung geschenkt wird. Bei zu vielen Hunden, die z.B: über Tierschutzorganisationen vorgestellt werden, ist mir die Wesensbeschreibung zu wenig und zu allgemein. “Ist lieb” reicht einfach nicht um abschätzen zu können ob man mit einem Hund wirklich gut leben kann oder nicht. Es ist oft nicht möglich die Hunde in großen Tierunterkünften richtig zu beschreiben, zum Einen weil nicht genug Personal vorhanden ist und zum Anderen auch weil sich die Hunde dort ganz anders zeigen können als in einer Familie. Am besten werden Hunde in ihrem Wesen beschrieben, wenn sie bereits auf einem Pflegeplatz sind, da haben sie auch die Möglichkeit den Hund zu besuchen um ihn persönlich kennen zu lernen.

Eine Bindung beim Angsthund aufbauen…

… geht am Leichtesten. Denn gerade Angsthunde fühlen sich völlig schutzlos, hilflos, total unsicher. Auch wenn er es eine ganze Zeit nicht zeigen kann, er saugt regelrecht jede einzelne Bewegung und Handlung von Ihnen auf und nichts ist ihm lieber als zu erkennen das Sie ihn verstehen und gut zu ihm sind. Wenn Sie dann noch die eindeutige und einfache Hundesprache, die Beschwichtigungssignale anwenden haben sie die besten Chancen das er sie recht schnell als seine Sicherheit betrachtet und Stück für Stück Vertrauen zu Ihnen aufbauen kann. Schon entsteht eine Bindung, die durch Erfahrungen im gegenseitigen Umgang wächst und wächst und es ist so gut wie gesichert das er Ihnen nicht ausbüchst und auf nimmer wiedersehen verschwindet.

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Drei kurz gefasste, starke Beispiele

wie Bindung bereits in den ersten Minuten entstand
Nach langem regelrechtem Kampf um einen Windhund, den ich unbedingt aus einer Tötungsstation zu mir holen wollte kam er endlich am Flughafen an. Mein Herz war für diesen Hund so offen wie es nur möglich sein kann, ich freute mich unbeschreiblich auf ihn. Durch unvorhersehbare Zwischenfälle kam ich zu spät am Flughafen an. So warteten die Flugpaten auf mich, der Hund war so lange noch in seiner Flugbox. Eine Frau einer Tierschutzorganisation beobachtete ihn. Die Box stand etwa mitten in der Halle, er beobachtete die Menschen sehr genau. Bei Jedem der ihm zu nahe kam, drehte er den Kopf ab, nahm Null Kontakt auf, immer das Gleiche. Als ich die Halle betrat war es ganz anders. Ich war noch nicht richtig zur Tür hinein gegangen, noch mindestens 10 oder 15 Meter entfernt, schon stand er auf und ließ mich nicht aus den Augen. (Was spürte dieser Hund?) Ich ging in meiner riesigen Freude direkt auf ihn zu und öffnete die Tür. Er ließ mich noch immer nicht aus den Augen. Er kam aus seiner Box direkt in meine Arme! Er schmiegte sich Minuten lang an mich und seufzte… Die Frau war völlig irritiert, sie wusste doch das dieser Hund von seinem neuen Besitzer abgeholt wird. Sie fragte mich ob das mein Hund sei, ob ich vom Urlaub in Spanien schon voraus geflogen wäre und er nun nachgekommen sei. Sie verstand das Ganze überhaupt nicht. Erst recht nicht als ich ihr sagte das ich ihn gerade zum aller ersten mal sehe. Dieser Hund ist nach Jahren noch Fremden gegenüber freundlich, aber distanziert, betatschen lässt er sich nur ungern, weil er misshandelt wurde, er hält bis heute Fremden gegenüber noch einen Sicherheitsabstand.

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Ich holte am Flufhafen einen anderen Windhund ab, er sollte vorübergehend als Pflegehund bei mir leben. Ich hatte mich spontan entschieden ihn sofort aufzunehmen, weil dadurch gleich ein anderer Windhund aus der Tötungsstation geholt werden konnte, der ganz sicher umgebracht worden wäre. Ich hatte absolut keine Informationen über ihn, wusste gar nichts, hatte nur ein Foto von seinem Gesicht gesehen. Ich holte ihn aus der Box und ging mit ihm aus der Halle damit er sich im Freien lösen konnte. Schnell erkannte ich das er ein EXTREMER Angsthund ist. Ich hatte Erfahrung mit Angsthunden und vorallem nicht nur ein “Händchen” sondern auch ein ganz großes Herz für sie. Kaum war ich mit ihm paar Meter gelaufen ging es los… Der erste Mann kam auf uns zu. Eine Katastrophe! Ich kam mit ihm nicht mehr zurück, er versuchte sich in heftigster Panik loszureißen…. Fast ununterbrochen eine neue Situation… eine ganze Gruppe lauter Männer, ein Auto, eine Autotür, ein lauter Bus, eine quietschende Seitentür, eine laute Stimme… In jeder Situation heftigste Panik von ihm. Ich hatte nur die eine Chance ihm SOFORT ganz deutlich zu zeigen das ich ihn schütze. Es durfte ihm auf gar keinen Fall gelingen sich loszureißen! So stellte ich mich demonstrativ in für ihn bedrohlichen Situationen vor ihn, lag nicht nur einmal schützend über ihm an der Gebäudewand oder hinter einem Zigarettenautomaten, forderte auf uns zukommende Männer auf beim Vorbeigehen mehr Abstand zu halten (für den Hund erkennbar stark) usw. Dabei sprach ich beruhigend mit ihm, möglichst mit den gleichen Worten die er schnell begreifen und wieder erkennen konnte, streichelte ihn dabei beruhigend. Etwa beim Dritten mal spürte ich schon ein bisschen weniger Gegenwehr, er hatte es begriffen… Das Ergebnis war enorm stark, allerdings nicht so wie ich es ursprünglich wollte. Dieser Hund baute rasant schnell eine enorm starke Bindung zu mir auf, das es nicht mehr möglich war ihn als Pflegehund in eine liebe Familie abzugeben. Ich bin also weit übers Ziel hinaus geschossen Bis heute öffnet er sich ausnahmslos nur mir gegenüber, aber auf eine tiefe Weise die man kaum mit Worten beschreiben kann. Er wagt sich nun auch vorsichtig an Fremde heran, lässt sich von manchen lieben Menschen auch schon mal am Kopf vorsichtig berühren, wenn ich schützend in seiner Nähe bin.

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Meine Tochter begleitete Jemanden einen Hund auf einem Pflegeplatz zu besuchen. Da sah meine Tochter im Garten eine Hündin, eine schüchterne Galga-Mix. Sie kam vorsichtig direkt zu meiner Tochter und nahm Kontakt auf. Das ist nichts Besonderes? Lesen Sie weiter… Die Frau der Pflegestelle sah das und war fassungslos! Sie traute ihren Augen nicht! Diese Hündin kam als Pflegehund zu ihr. Sie ließ sich von Niemanden anfassen, nicht einmal in ihre Nähe konnten Menschen kommen, sie hielt sich fast nur im Garten auf mit mindestens 20 Meter Sicherheitsabstand, betrat das Haus nur äußerst vorsichtig wenn nur die Frau da war. Sie wurde in Spanien von ihren Vorbesitzern sehr schwer misshandelt, hatte alte Brüche in Hüfte und Beinen die schief zusammen gewachsen waren, vertraute gar keinem Menschen mehr, es war nicht möglich sie anzuleinen… Die Pflegestelle hatte beschlossen das sie bei ihnen bleiben darf da sie überhaupt nicht vermittelbar war und so waren schon über 1,5 Jahre vergangen. Diese Hündin sah nun meine Tochter und ging direkt auf sie zu! Meine Tochter konnte sie streicheln!!! Die Hündin ging meiner Tochter nicht mehr aus dem Kopf… immer wieder fuhr sie fast 200 km um diese Hündin zu besuchen. Sie konnte sie dann sogar anleinen und mit ihr spazieren gehen! Logisch, es kam wie es kommen musste, die Beiden gehörten zusammen und leben noch immer zusammen. Diese Hündin ist inzwischen schon eine liebe Oma, die ganz normal lebt, “nur” noch Angst vor dominanten Männern und gefließtem Boden hat, sich aber faßt von jedem streicheln lässt.

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Mit diesen Beispielen möchte ich betonen was Bindung bedeutet wenn Hund und Mensch im Wesen wirklich zusammen passen. Erziehung war bei allen drei Hunden überhaupt kein Thema. Sie taten einfach was man von ihnen wollte.

Ich gebe aber zu das mir diese besonders starke Bindung nur bei Windhunden glückt und davon bei denen die nicht ausgeprägt dominant sind. Sie passen einfach vom Wesen her zu mir, was sie mindestens ebenso spüren wie ich. *

Bindung mit Hilfe Dritter erarbeiten?

Für mich persönlich kommt das nicht in Frage. Entweder ich verstehe den Windhund wirklich, komme mit seinem Wesen gut klar und er mag mich und kann mir vertrauen oder es ist nicht der passende Hunde für mich. Letzteres wäre keine gute Voraussetzung mit einem Windhund zu leben. Ich kann mir aber vorstellen das ein Windhundanfänger hier und da Fragen hat und etwas Hilfe braucht den Hund besser zu verstehen, wenn einem das spezielle Wesen von Windhunden noch nicht vertraut ist. Umfasst es aber die ganze Palette grundsätzlicher Fragen um den Unterschied im Verhalten von Windhunden und “anderen Hunden” und der Windhund ist bereits bei Ihnen eingezogen, tut er mir leid. Denn er spürt Ihre Unsicherheit, spürt sehr deutlich das Sie ihn nicht verstehen, hatte nicht die Möglichkeit sich im neuen “Rudel” wirklich willkommen einzubetten, ihm ist es nicht möglich sich vertrauensvoll zu öffnen und wirklich wohl zu fühlen. Es kann ein Teufelskreis entstehen, der Hund kann Ihnen nicht vertrauen, also wird er auch nicht freudig tun was Sie von ihm erwarten. Ein solcher Windhund steht ebenso unter Stress wie Windhunde in einem Tierheim, die zwar versorgt werden, aber keine vertrauensvolle enge Bindung zu einem Menschen aufbauen können. Für Windhunde ist das aber sehr wichtig, nicht ohne Grund leiden Windhunde in Tierheimen und dergleichen Unterkünften sehr, nicht wenige verkümmern, geben sich sogar auf nur weil ihnen die enge Bindung zu einem Menschen fehlt. Auch deswegen halte ich es für enorm wichtig sich vor Anschaffung eines Windhundes wirklich mit dem Wesen dieser Rasse zu befassen, möglichst mehrere Artgenossen vorher kennen zu lernen und auch über den ausgewählten Hund so viele Informationen wie möglich einzuholen. Der Windhund ist insofern ein anspruchsvolles Familienmitglied, das er eine gute und enge, vertrauensvolle Bindung braucht. Er ist absolut kein Hund den man sich mal so anschafft, der sich unterordnet und in jedem Fall einfügt. Die Probleme, die daraus entstehen kann auch keine Hundeschule oder dergleichen beheben, im besten Fall durch Aufklärung ein stressfreieres Zusammenleben ermöglichen, mehr aber auch nicht. Vertrauen aufzubauen, zu erarbeiten, ist eine Sache zwischen Ihnen und Ihrem Hund, entsteht durch die Voraussetzung das Beide das Wesen des Anderen mögen und verstehen und in allen denkbaren Situationen des Alltags. Erleichtern und beschleunigen kann man es, indem man mit dem Hund spielt. verhältnismäßig vorsicht, anfangs nicht zu ungestüm, damit er sie einschätzen lernen kann. Beim aktiven Spielen und Toben haben beide, Hund und Mensch die besten Möglichkeiten sich kennen zu lernen, auch Vertrauen aufzubauen. Wenn all diese Voraussetzungen gegeben sind kann es aber noch immer nicht gut funktionieren, nämlich dann wenn z.B. andere Familienmitglieder dem Hund gegenüber distanziert sind, ihn nicht wirklich lieben oder verstehen, was der Windhund deutlich spürt.

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Negativ-Beispiel

Auch diese Erfahrung habe ich schon gemacht. Ich nahm einen Pflege-Windhund auf um ihn auf ein künftiges Leben in einer Familie vorzubereiten. Die Beschreibung des Wesens war mal wieder mehr als dürftig, “Ist ganz lieb und ängstlich”. Ich hatte keinerlei weitere Infos, auch nicht darüber das diese Hündin kurz vorher ein extrem schlimmes Erlebnis mit Galgos hatte. Im wohl zu engen und mit Galgos überfüllten Zwinger des Tierheimes war Panik ausgebrochen, es gab sogar tote Galgos, diese Hündin konnte nur gerettet werden weil man sie nach Lasso-Art mit einer Kette am Hals aus dem Zwinger zerrte. Mir gegenüber aber kein einziges Wort davon. Und diese Hündin kommt nun ausgerechnet zu mir, zu Windhunden, zu Galgos… Ich hatte gar keine Chance diese Hündin zu erreichen, ein Vertrauensverhältnis mit ihr aufzubauen. Ihre vielen starken Narben und ihr Verhalten erzählten mir was sie in Etwa erlebt haben könnte, ich fragte nach und bekam dann auch die Bestätigung und ihr Erlebnis geschildert. Diese Hündin fühlte sich hier natürlich überhaupt nicht wohl, konnte sich verständlicher Weise nicht entspannen. Sie streikte und protestierte rund um die Uhr gegen meine Hunde und auch mich, weil ich eng mit den anderen Hunden zusammen lebte. Selbst als ich den Grund für ihr Verhalten erkannt hatte nützte mir das nichts mehr, auch nicht meine reichliche Erfahrung mit Angsthunden. Es war viel zu viel wertvolle Zeit vergangen und die Voraussetzungen (erst mal keine Windhunde in ihrem Umfeld) ließen sich hier eh nicht ändern. Dazu kam auch noch das diese Hündin in ihrem Überlebenswillen und Unwohlfühlen starke Dominanz zeigte, was für meine Hunde und mich zunehmend zum blanken Stress wurde. Sie hatte sich inzwischen nach ihren Möglichkeiten “eingerichtet” und ließ sich durch Nichts davon abbringen. Jedes mal wenn ich sie durchschaut hatte, wechselte sie sofort ihre Taktik, ihr Repertoire schien unerschöpflich. In ihrer Angst und totalem Unwohlfühlen hier steigerte sie ihren Protest gegen mich und die Windhunde dermaßen das die Hunde vor lauter Stress begannen gesundheitliche Probleme zu bekommen. Es war unumgänglich das diese Hündin auf einem anderen Pflegeplatz unter gebracht werden musste, was leider nicht so schnell umzusetzen war wie es nötig gewesen wäre. Sie kam dann zu einem gemischten Hunderudel ohne Windhunde. Auch war die Frau passender als ich, sie war bestimmter, dominanter, der Hund obersten Ranges war viel dominanter als mein Rudelboss und siehe da die Hündin lebte dort entspannt und konnte sich nach und nach von ihren Ängsten gegenüber Windhunden befreien. Ganz sicher ist diese Galga eine wunderbare Hündin die sich inzwischen in ihrem Zuhause wohl fühlt, gut führen lässt, Vertrauen zu den Menschen aufbaute. Dazu brauchte sie aber die passenden Menschen und das passende Umfeld. Das konnte ich ihr nicht bieten, auch ein noch so erfahrener Dritter hätte nicht hinbiegen können das ein entspanntes, vertrauensvolles Zusammenleben für alle Beteiligten möglich gewesen wäre, von einer guten Bindung ganz zu schweigen.

www.rubis-arche.de

Veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung von Rubi

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