Ein Galgo im Nebel

Sonntag, 1. Juni 2008
“Ich könnte etwa so anfangen: “ein Dorf im Nebel, und plötzlich ein ”. Aber so ganz
stimmt das nicht.
Also nochmal: Die Straßen eines Dorfes in Kastilien im Nebel, und ganz plötzlich taucht ein Galgo auf.
Aber auch das stimmt eigentlich nicht. Die Gassen lagen nicht im Nebel. Die Gassen umfingen den Nebel und leiteten ihn. Der Nebel bewegte sich durch die Straßen wie der undefinierbare, kompakte Strom einer großen Menge, weil er von ihnen eingeschlossen wurde. Einer schweigenden Menge. Einer tauben Menge. Begrenzt durch die Backsteinbauten wie durch eine Steilküste. Im Hintergrund – mehr oder weniger im Hintergrund des Nebels – eine steinerne Klippe mit einem Wappen. Und diese feuchte Kälte, wie in einer Wolke, alles sieht gleich aus.
Der Galgo. Die unendlich langen Läufe, die Unruhe, die gespitzten Ohren, die Rippen. Er taucht auf und verschwindet sofort wieder, lässt nur eine Fährte von wahnsinnigem Begehren zurück. Der Galgo ist ein unerfüllbarer Wunsch, der nicht ausgedrückt werden kann. Der Galgo kommt, er zeigt sich, bewegt den gleichgültigen Nebel und verschwindet mit einem Satz. Und er tut gut daran.
Man darf nicht vergessen, daß ich anfangs sagte “in einem Dorf Kastiliens”: Nebel, Gleichgültigkeit, Galgo, Begehren. Häuser aus Backstein und Häuser mit Wappen. Niemand ist auf der Straße, nur der Nebel, schweigend und taub. Und der wahnsinnige Galgo. In diesem Land wird der Galgo geliebt, könnte man sagen. Aber auch das stimmt nicht ganz.”

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Quelle: sos-galgos.net 

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