Das Schicksal tausender Greyhound-Welpen ist fraglich

Freitag, 19. Juni 2009
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Das Schicksal tausender -Welpen ist fraglich
28. April 2009, freiberuflicher Autor

Eine neue Studie wirft die Frage nach dem Schicksal tausender Greyhound-Welpen auf, schreibt Clive Ellis.
Die Greyhound-Zucht zum Zwecke des Rennsportes ist bestenfalls ein Geschäft mit wechselndem Erfolg. Abgesehen von Krankheit, diktieren oftmals sowohl Verletzung als auch Temperament das Schicksal solcher . Berücksichtigt man das nachvollziehbare Verlangen nach DEM Hochleistungstier, steigt die Anzahl des „Verschleißes“ enorm.

Sogar das Greyhound-Gremium von Großbritannien (GBGB), welches den Rennsport auf Großbritanniens 28 bedeutendsten Rennbahnen regelt, räumt ein, daß ein Greyhound niemals ein Rennen bestreiten darf, wenn der „zu langsam ist…, wenn er oder sie an der Jagd nach dem künstlichen Hasen kein Interesse zeigt, oder wenn er oder sie während des Rennens auf der Bahn einfach stört oder mit anderen spielt.“ Mit einem anderen Hund in Konflikt zu geraten, bedeutet im allgemeinen zu kämpfen.
Das Zugeständnis des GBGB wird in einer Beobachtungsstudie an Greyhounds, die es in dieser Größenordnung noch nie gab, bestätigt. Und die Ungleichheit zwischen Zahlen für gezüchtete Greyhounds und Welpen, die in der Folgezeit Rennen bestreiten sollen, ist, gelinde gesagt, alarmierend.

Die Studie erfaßte alle Greyhound-Zuchtbucheinträge, die zwischen dem 1. Juni 2005 und dem 31. Mai 2006 (Bd. 125) eingegangen sind, und zeigte, daß nur 2267 von 4332 geborenen Welpen für den Rennsport eingetragen waren. In anderen Worten: lediglich 52% wurden für den Rennsport klassifiziert.
Diese Zahl von 2267, die nur 23% der Greyhounds ausmacht, die innerhalb von 12 Monaten in Großbritannien für die Rennbahn eingetragen wurden (im Vergleich zu den Gesamteinträgen für 2007 (9751)), weisen o.g. Statistiken lediglich das Ausmaß ungewollter Welpen auf.

Wenn man einzig und allein einen Blick auf die Anzahl geborener Greyhounds für den Rennsport in Großbritannien wirft, weisen die Erkenntnisse darauf hin, daß über einen Zeitraum eines Jahres ungefähr 8882 Welpen als untauglich beurteilt werden.

Jedoch haben wir in Großbritannien nach wie vor Veranstaltungen auf unabhängigen Rennbahnen (flapping tracks), für welche keine Zahlen existieren. Solche Bahnen sind jedoch von geringerer Bedeutung und locken sowohl Hunde an, die ehemals im Rennsport eingetragen waren, als auch Welpen, die neu auf der Bahn sind. Demzufolge werden unabhängige Bahnen (flapping tracks) keinen großen Einfluß auf die Zahlen haben.

Mitglieder der Rennsport-Verbindung führen gerne an, daß die beste Hündin eines Wurfes gelegentlich direkt zum Decken zurückbehalten wird. In anderen Worten: sie wird als Gebärmaschine eingesetzt und verbringt den Rest ihres Lebens in einem Zuchtzwinger.

Allerdings haben die meisten der zum Decken eingesetzten Hündinnen an Wettkämpfen teilgenommen – wenn auch nur in wenigen Rennen.
Any Chewing Gum (eine erfolgreiche Zuchthündin, Anm. d. Übers.) ist mit der Teilnahme an 6 „Opens“ sowie einem Schaurennen registriert und hatte danach Würfe im Oktober 2000, August 2001, Juni 2002, März 2003, Dezember 2003, August 2004, April 2005, Februar 2006 sowie März 2007.

Die Studie verglich ebenso Daten, die mit bestimmten Züchtern in Zusammenhang stehen, was zu interessanten Ergebnissen führte.

Eingegangene Wurfeinträge für Charles Pickering über den gleichen Zeitraum (Juni 2005 – Mai 2006) insgesamt 39 (38 im Index ermittelt), und von 198 geborenen Welpen bekamen nur 90 einen Namen, und nur 46 (23%) sind im Rennsport eingetragen (Zahlen in der Studie, die sich auf die Stufe der Namensgebung beziehen, basieren auf Informationen in Bd. 125 sowie alle nachfolgenden veröffentlichten Bände der Greyhound-Zuchtbücher).

Alle Welpen von 9 Wurfeinträgen für Pickering, die eine Paarung zwischen Goahead Atlantic und El Premier als Deckrüde erfassen scheinen verschwunden zu sein. Pickering war Thema eines Artikels in der Sunday Times (11. Mai 2008), in welchem berichtet wurde, er biete langsame Hunde für Forschungszwecke an, die in diesem Rahmen getötet werden sollen.

Wurfeinträge für Züchterin und Trainerin Ann McCarroll (Newcastle) insgesamt 11, und von 62 geborenen Welpen wurden lediglich 35 benannt und 23 (37%) im Rennsport registriert. Eine der Zuchthündinnen -Agile Milly- wurde zusammen mit anderen Greyhounds später gerettet, nachdem die Tiere bei Marske Vets Ltd zur Euthanasie vorgemerkt worden waren.

Und nur 9 (16%) von 55 Welpen aus 11 Wurfeinträgen für Ian Taylor sind für den Rennsport registriert. Insgesamt 34 genannte Welpen, von welchen 18 merkwürdigerweise unter Pickering registriert sind.

Also, was geschieht mit den jedes Jahr gezüchteten Tausenden von Welpen, die niemals ein Rennen bestreiten?

Interessanterweise stellt das GBGB die gleiche Frage unter „FAQ“s“ auf der Website der leitenden Gremien (nicht überraschend: ohne auch nur die leiseste Spur von Zahlen). Weiter unten im Text wird man sehen, daß das GBGB es versäumt, eine Antwort zu geben und geschickte Formulierungen nutzt, um anzudeuten, solche Hunde seien vermittelt.

Vermittlungszahlen für 2007, im Juni 2008 im Greyhound-Forum als Bericht für alle Greyhounds dargestellt, lauten wie folgt: 4479 durch den Retired Greyhound Trust (RGT) vermittelt und „geschätzte“ 3500 durch Besitzer, Trainer sowie andere Tierschutzverbände.

Wie glaubhaft o.g. Zahlen sind, ist jedoch fraglich. RGT-Direktor, Ivor Stocker, sagte kürzlich: „Sicherlich gab es in den letzten zwei oder drei Jahren Fälle, daß Hunde bei mehr als einer Gelegenheit gezählt wurden, da der Trainer ein Formular einreichte und wir (RGT) ebenso.“

Und über die Medien vergleicht das leitende Gremium stets ähnliche Zahlen einzig mit der Anzahl von Greyhounds, die jährlich aus dem Rennsport zurückgezogen werden (ca. 10000) und unterstellt somit zumindest, alle vermittelten Greyhounds seien Ex-Läufer (es sieht gut aus und negiert das Thema der nicht für Rennen klassifizierten Hunde).
Die Öffentlichkeit wird irregeführt. Die meisten aber nicht alle vermittelten Greyhounds sind Ex-Läufer. RGT hat geschätzt, daß ca. 30% der durch ihre Abteilungen vermittelten Greyhounds nicht für den Rennsport registriert waren.

Falls dieser Prozentsatz auf alle vermittelten Greyhounds umgelegt wird, und falls wir davon ausgehen, daß keine Greyhounds mehrfach gezählt wurden (um der Behauptung willen), ergibt dies 2394 nicht für Rennen qualifizierte Greyhounds im Jahr 2007.

Vermittlungszahlen für 2007 liegen leicht über jenen von 2006, sind jedoch anschließend wenig gestiegen. Egal, wie man es betrachtet, es ist nicht möglich, Rechenschaft über die gewaltige Mehrheit von Greyhounds, die nicht für den Rennsport registriert sind, abzulegen.

Acht Züchter mit Würfen, die in der Studie als hohen „Verschleiß“ aufweisend geführt waren, wurden zu dem Schicksal der Welpen befragt. Nur ein Züchter antwortete, und die Antwort ging nicht auf die ausdrückliche Frage nach dem Schicksal der Tiere ein.

In einem einseitigen realitätsfremden Artikel (mit freundlicher Genehmigung von Our Dogs, 15. August 2008) behauptete der Greyhound Star Herausgeber, Floyd Amphlett: „Greyhound-Züchter lassen keine jungen Welpen aufgrund von Beschönigungen genetischer Sachverhalte verschwinden.”

Amphlett hatte in diesem Punkt recht. Was er jedoch zweckdienlicherweise zu erwähnen vergaß, ist die Tatsache, daß Welpen getötet werden -Abertausende-, nur weil sie als untauglich für den Rennsport eingestuft werden.

http://www.dogmagazine.net/archives/2359/fate-of-thousands-of-greyhound-puppies-in-question/

Übersetzt von Myriam – vielen Dank !

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