Warum Galgos aus Spanien nicht ins Bahnrennen oder Coursing geschickt werden sollten

Warum aus nicht ins Bahnrennen oder Coursing geschickt werden sollten
Eine Stellungnahme von Dr. Karin Dohrmann:

Ich selbst schicke meine weder auf die Bahn noch ins Coursing aus folgenden Gründen:

1.Das Bahnrennen ist in Spanien eine Vorbereitung für die Jagd. Die Hunde werden vor allem kurz vor den Jagzeit am Auto, Motorrad, Laufkarussel und im Bahnrennen in Ausdauer und Geschwindigkeit trainiert. Nach der Jagdsaison gibt es noch Freizeittreffen auf der Bahn, die werden aber nur noch von wenigen Galgueros wahrgenommen, meist nur bei Festveranstaltungen. Wenn ich also einen aus Spanien nehmen, dann kennt er möglicherweise die Bahn und ich halte ich weiterhin in der “freudigen” Erwartung, dass es bald zur Jagd geht.

2. Kein Spanier schickt seinen Galgo aufs Coursing mit falschen Hasen. Weil er seinem strategischen Jäger nicht die Lust am Jagen verderben will. Auf der Jagd hinter dem Hasen, sprechen sich die Galgos ab. Sie geben sich kurze Signale und jagen sich den Hasen gegenseitig zu. Je erfahrener sie werden, desto mehr verschmelzen sie mit den Bewegungen des Hasen und versuchen diesen nicht nur körperlich, sondern auch mental in seinen Bewegungen zu beeinflussen. Galgos sind bei dieser Arbeit äußerst intelligent und zeigen auch einem unerfahrenen , wenn er eine falsche Strategie gefahren ist. Was passiert nun beim Coursing hinter dem falschen Hasen? Die Hunde sprechen sich wiederum ab, einer überholt, schneidet den Weg ab und treibt den falschen Hasen den Gefährten zu … und was passiert dann? Dieser komische Hase läuft aber ganz anders! Er führt die strategischen Schachzüge der Galgos ad absurdum. Ich habe im Coursing schon Hunde frustriert aufgeben sehen. Blicke die sie dem Partner zuwerfen “was haste denn nun gemacht?”. Gerade für Galgos aus Spanien, die auf einer realen Jagd waren, ist das Coursing total frustrierend.

3. Coursing und Bahnrennen trainieren den Hetztrieb. Wer das abstreitet, der hat keine Ahnung von Konditionierung. Dann würde auch Clickern nicht funktionieren und auch nicht das Trainiern von Kommandos mittels Wiederholungen. Nach einem Tag auf der Bahn ist der Adrenalin-Level von diesen Hunden so hoch, dass es bis zu 6 Tage dauern kann, bis er wieder im Normalbereich ist. Folge davon ist, dass der Hund so erregt ist, dass auch ein Treffen im Windhundauslauf 2 Tage danach noch Sprengkraft haben kann. Durch die Geschwindigkeit, die ebenfalls regelmäßig trainiert wird, ist der Hund gewöhnt aus dem Stand immer Schmackes zu geben. Wer will das im normalen Hundealltag?

4. Selbst Veterinäre, die Hundebahnen betreuen bemängeln, dass das Aufwärm- und vor allem das Abwärmtraining nur unzureichend durchgeführt wird. Und dass die Hundehalter nicht genügend darüber informiert werden, wie ein Spitzensportler, und das sind Bahn- und Coursingläufer, antrainiert werden müssen. Verlangt man einem untrainierten Windhund nur hin und wieder diese Spitzenleistungen ab, nimmt man damit eine gravierende körperliche Gefährdung des Hundes in Kauf.

5. Der wichtigste Grund für mich! Ich möchte meinem Galgo vermitteln, dass nicht nur im Haus nun ein neues Leben für ihn beginnt, sondern auch draußen. Daher ist es für mich sehr wichtig, dass alles was er bisher draußen gemacht hat, nicht mehr passiert. Dafür biete ich ihm ein neues Leben, in dem er seine Fähigkeiten in meiner kultivierten Welt einsetzen kann. Und das kann je nach Freude des Besitzers, Fährtenarbeit, Verlorensuche, Agility, Wandern, Clickern usw. sein. Aber, ab jetzt arbeitet er nicht mehr ohne, sondern mit seinem geliebten Menschen!

Das ist doch, was wir unseren Windhunden aus Spanien geben wollen! Ein neues Leben in einer völlig neuen Welt und da erhalte ich ihm doch nicht einmal Erinnerungsstücke aus dem alten Leben!

Ich bin für eine Verbotsklausel im Schutzvertrag, aber noch viel wichtiger ist eine Beratung der neuen Hundehalter, um ihnen deutlich zu machen, dass Bahnrennen und Coursing nichts mit artgerechter Windhundhaltung zu tun haben, sondern ein Hundeleistungsport sind wie Hundeschlittenrennen. Und dass man ihnen deutlich macht, welchen physischen und psychischen Risiken sie ihrem Hund aussetzen, wenn sie mal so aus Spaß das Bahnrennen oder Coursing mit ihm ausprobieren.

Mit freundlichen Grüße
Karin Dohrmann
http://mygermanyonline.com/waldtrainingonline/

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